Letzte Aktualisierung: 04.09.2017

Die Zeit danach

Die Zeit nach dem Unfall war gefühlsmäßig sehr unterschiedlich. Es waren natürlich starke Haßgefühle auf den Unfallverursacher vorhanden, Gedanken des Aufgebens waren auch da, aber insgesamt überwog der Gedanke erst einmal die Dinge zu Ende zu führen, die wir uns vorgenommen hatten, so weit es alleine noch möglich war. Dies betraf vor allem unsere Verpflichtungen aus der Zeit der Selbständigkeit, dann auch solche Sachen wie z.B. die ganzen Fotos von uns ordentlich in Alben abzulegen, was ich zu der Zeit auch erledigte. Wirklich anschauen und an diese Zeit erinnern konnte ich mich erst 3 Jahre später, als ich mich bei einer Kur befand. Und was als Wichtigstes erst einmal anstand war die Beerdigung, woran ich mich aber kaum erinnern kann. In diesem Zusammenhang möchte ich aber sagen, man sollte jede Möglichkeit zum Abschiednehmen nutzen. Sei es im Krankenhaus oder die Aufbahrung, auch wenn manche Menschen in der Umgebung abraten, sicherlich um die ganze Sache nicht noch schlimmer zu machen.

Todesanzeige
Trauerhalle02

 Später macht man sich Vorwürfe diese Gelegenheit des Beieinanderseins mit den geliebten Personen, sei es im Augenblick auch noch so schwer, nicht genutzt zu haben. Zurück zur Beerdigung, die am 12.01.1999 auf dem Waldfriedhof in Zella-Mehlis stattfand. Ich möchte hier die Gedenkrede auszugsweise veröffentlichen, da sie noch einmal einen kleinen Einblick in unser Leben gibt.

"...dieser Abschied fällt sehr schwer. Denn es ist ein Abschied von einer lieben und wunderbaren Frau...und es ist ein Abschied von zwei guten Kindern...Wieviel haben sie doch gemeinsam erlebt. Das alles schuf eine enge Bindung. Und so möchten sie auch keinen Tag davon missen. ...Wir können leider nichts daran ändern, wenn liebe Menschen für immer von uns gehen müssen. Aber was wir tun können, ist ihnen ein ehrendes Andenken zu bewahren. ...Im April 1963 wurde Irene als 2.Kind der Eheleute Rosemarie und Lothar Kunze geboren. In Viernau wuchs sie gemeinsam mit ihrem älteren Bruder und ihrer jüngeren Schwester Cornelia auf und ging dort auch zur Schule.

Urnen
Beerdigung

Nach Abschluß der 10.Klasse der POS wählte sie eine Ausbildung zur Mechanikerin für Datenverarbeitung und Büromaschinen im Robotron Zella-Mehlis. In Steinbach-Hallenberg und in Zella-Mehlis arbeitete sie zunächst auch in ihrem Beruf. Eine Allergie hinderte sie jedoch daran, ihre Tätigkeit weiter auszuüben, so daß sie schließlich als Werkstattschreiberin eingesetzt wurde. Als Anfang der 90iger Jahre der Betrieb aufgelöst wurde, wagte sie mit ihrem Mann mit der Gründung eines Vertriebsbüros für Kosmetik in Z.-M. und Erfurt den Schritt in die Selbständigkeit.

Sie erfüllten sich damit den Wunsch ein eigenes Geschäft zu haben und darin gemeinsam zu arbeiten. Für die Schulung der Mitarbeiter und das Management war sie verantwortlich. Mit diesen neuen Aufgaben wuchs sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Der Umgang mit anderen Menschen machte ihr viel Spaß. Und durch ihr freundliches Wesen war sie bei allen, mit denen sie zusammen arbeitete, sehr angesehen. Stets hatte sie ein Lächeln und ein gutes Wort für andere bereit. ...Irene war flexibel genug sich zu verändern. Sie wollte eben immer etwas zu tun haben. Selbstbewußt und zielstrebig, den Blick nach vorne gerichtet, kämpfte sie und lies sich nicht unterkriegen. Als die Geschäfte nicht mehr so gut liefen, versuchte sie mit einer Eisdiele und mit verschiedenen anderen Tätigkeiten hier und in der Umgebung wieder Fuß zu fassen.

Grab

 Seit dem Frühjahr vergangenen Jahres hatte sie wieder eine feste Anstellung in der Herges-Hallenberger Firma Atlanta- Elektrosysteme. Mit der Eheschließung mit ihnen, Hr. Zimmermann, vor 16 Jahren und der Geburt ihrer Kinder Alexandra und Daniel hatte sie zusätzlich neue Aufgaben als Hausfrau und Mutter zu bewältigen. Sie verstand es, diese umfangreichen Aufgaben mit ihrer beruflichen Tätigkeit in Einklang zu bringen.

Danksagung

So sah man sie immer schaffen. Im Bestreben immer das Beste für die ganze Familie zu wollen, dachte sie an sich selbst erst zuletzt. Sie wollte es immer allen recht machen, war sehr anpassungsfähig. Viel Zeit schenkte sie ihren Kindern und ihrem Ehemann. Und wenn sie dann wirklich etwas Freizeit hatte, widmete sie sich ihren Handarbeiten, aber auch mit dem Gedanken, anderen damit eine Freude zu bereiten. Für sie, Hr. Zimmermann, war sie die Traumfrau, mit der sie noch so viel gemeinsam erleben wollten. Lieb und häuslich, aber auch unternehmungslustig, so wie sie sich ihre Frau immer vorgestellt hatten. Sie sorgte in der Wohnung für Ordnung und machte sich auch selbst sehr attraktiv zurecht. Sehr liebevoll war sie im Umgang mit ihren Kindern. In der Familie war sie der Ruhepol und Friedensstifter. Als diplomatischer Vermittler verstand sie es, alles wieder geradezubiegen. So wie sie es auch schon früher unter ihren Geschwistern fertiggebracht hatte. Auch ihre Kinder hatten sich so manches verinnerlicht. In ihrem Wesen glichen sie in vielem der Mutter. Selbständigkeit, Anpassungsfähigkeit, Zusammenhalt und ein harmonisches Verhältnis untereinander zeichneten sie aus. Sie konnten sich auf ihre Kinder immer verlassen. Alexandra, die Ältere, war ein folgsames und liebes Mädchen und hing sehr an ihren Eltern. Ihren Bruder bemutterte sie regelrecht - vor allem in der Zeit nach seinem langen Krankenhausaufenthalt, wenn die Eltern noch an der Arbeit waren. Und abends setzte sie sich dann noch hin und lernte fleißig. Selbständig eignete sie sich aus Büchern Wissen an, scheute sich aber auch nicht, Fragen zu stellen.

Grab-heute

Supernoten waren der Lohn dafür. Mit sehr viel Geschick widmete sie sich ihren Handarbeiten und hatte so manch kleine Überraschung bereit. Wie eine kleine Hausfrau sorgte sie sich um Bruder und Vater, wenn Mutter Schicht hatte. Auch Daniel hing sehr an seinen Eltern. Schon als Kleinkind hatte er viel mitmachen müssen. Von Geburt an war er mit einer Gehbehinderung belastet. Mit der Kraft der ganzen Familie war man damit aber gemeinsam fertig geworden. Und er selbst hatte sehr tapfer die Behandlung seiner Behinderung durchgestanden, obwohl dies nicht leicht für ihn war und er große Schmerzen hatte erdulden müssen. Während seines   3.Schuljahres war er fast 1 Jahr im Krankenhaus gewesen. Durch den Unterricht im Krankenhaus, das Lernen in der Schule im Rollstuhl und seine schnelle Auffassungsgabe hatte er schließlich alles nachgeholt, so daß er sogar das Gymnasium besuchen konnte.

Stein

 Sehr aufgeschlossen und aufgeweckt war er eben ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen. Er fuhr gerne Fahrrad und war technisch sehr begabt. Vater's Werkzeug mußte oft dafür herhalten, wenn er den Dingen auf den Grund ging oder etwas bastelte. Besonders groß war aber die Freude, wenn er gemeinsam mit Ihnen, sehr geehrter Herr Zimmermann, etwas bauen oder reparieren konnte oder wenn er sie auf ihren Kundendienstfahrten begleiten durfte, um beim Reparieren von Heizungsanlagen zuzuschauen. Und so wie die Mutter, machte auch er sich gerne schick. Sehr geehrte Angehörige, diese lieben und guten Menschen haben sie nun leider für immer verlassen müssen. ...Die Zurückgebliebenen fragen sich: Wieviel Gemeinsames hätten wir noch erleben können? Wie können wir ohne sie weiterleben? Doch das Leben geht weiter und der Alltag fordert sein Recht. ...Suchen sie sich deshalb reizvolle Aufgaben, daß sie so beschäftigt sind, daß sie keine Zeit haben, ihren Sorgen und ihrem Kummer nachzuhängen. - Die Bande der Liebe werden mit dem Tod nicht durchschnitten.- schrieb einmal der bekannte Schriftsteller Thomas Mann. In unserem Herzen leben die Verstorbenen weiter. Und wenn wir das Leben jetzt ohne sie fortsetzen müssen, lassen wir sie in Gedanken daran teilnehmen."

weitere Fotos

 

Für Alexandra  -  von ihrer Cousine Anja

Ich höre Deine Stimme, doch Du bist nicht mehr da.

Ich höre Deine Schreie, in dem Moment als es geschah.

Ich sehe seine Augen, das Licht blendet grell.

Ich seh’ seinen Wagen, er fährt viel zu schnell.

Ich spüre Deinen Atem, er geht viel zu flach.

Ich spür’ Dich versinken, für immer in dunkler Nacht...

Jahre später steh’ ich an Deinem Grab, frage mich ob ich ihm schon vergab ?

NEIN !  Ich werd’ ihn auf ewig hassen !

Doch Du wirst in meinem Herzen nie verblassen.

 

04.01.2004-1020202
04.01.2004-2

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