Letzte Aktualisierung: 04.09.2017

Gedichte und Texte

Nie wieder
(von Heidi Barte)

Nie wieder Sommersprossen im April,
nie mehr laute Fröhlichkeit – alles ist still.
Nie wieder Haare wie ein reifes Weizenfeld,
Du fehlst mir so auf dieser Welt.
Nie wieder Deine Augen sehen, blau und riesengroß,
nie wieder ein Kind auf meinem Schoß.
Nie wieder einen Mund, der so selten schweigt,
nie mehr eine kleine Hand, die mir eine Schnecke zeigt.
Nie wieder lauschen Deine kleinen Ohren,
ich hab ein Stück von mir selbst verloren.
Nie mehr ein Kind, das ich gerade geweckt,
nie einen kleinen Bauch, der sich mir entgegenstreckt.
„Riechst Du nach Seife, kleiner Bauch?“
Ja, mein Sohn, die „Schnupperprobe“ fehlt mir auch.
Nie mehr die kleinen Füße, die in Pfützen springen
und Schlaflieder brauch ich auch nie mehr singen.
Nie wieder backe ich Dir Hasentorte,
nie wieder flüstern wir liebe Worte.
Nie mehr mit dir um die Wette laufen,
nie wieder kitzeln, toben und raufen.
Nie wieder Protest gegen kratzige Socken,
auch nicht gegen den Kamm in den blonden Locken.
Nie wieder die Welt mit Kinderaugen sehn,
nie mehr am Rand des Fußballfeldes stehn.
Nie wieder kleine Hand in meiner Hand,
nie mehr Muscheln suchen am Strand.
Nie wieder Grasflecken in Deinen Sachen,
nie mehr höre ich Dein fröhliches Lachen.
Nie mehr Sterne betrachten bei Nacht,
nie mehr ein „Hast Du mir was mitgebracht?“
Nie wieder ein Kind auf der Hüfte tragen,
nie mehr stellst Du mir neugierig Deine Fragen.
Nie wieder radeln wir durch den Wald,
die Welt ist leer geworden und kalt.
Nie wieder in den Wolken Tiere sehen,
nie mehr Deine Gedanken verstehen.
Kein Staunen mehr über soviel Fantasie
mir fehlt deine Lebensphilosophie.
Nie wieder wünschen, planen und hoffen,
Deine Zukunft ist nicht mehr offen.
Nie mehr die Sonne genießen und den Schnee,
dieses „Nie wieder“, das tut so weh.

Ich wünsche dir eine heile Welt,
eine Welt, wo der Starke den Schwachen beschützt,
in der ein Lastwagen auch für ein Kind anhält
und nicht rück-sichts-los seine Stärke ausnützt.
Ich wünsche Dir Frieden, Freude und Glück
und wollte Dich so gerne Großwerden sehen.
Warum dreht denn keiner die Zeit zurück?
Ich kann diesen sinnlosen Tod nicht verstehen!
Alles, was ich von Dir noch hab
ist die Erinnerung und – ein Grab,
und die Hoffnung, dass es Dich irgendwo noch gibt,
weil nichts wirklich verloren ist, was man liebt.

(Für Nils, der mit 7 Jahren bei einem Verkehrsunfall starb, von seiner Mutter.)
 


Steht nicht weinend an meinem Grab
Ich bin nicht dort unten, ich schlafe nicht.
Ich bin tausend Winde, die weh´n,
ich bin das Glitzern der Sonne im Schnee,
ich bin das Sonnenlicht auf reifem Korn,
ich bin der sanfte Regen im Herbst,
ich bin in der Morgenröte der kleine Vogel der zum Himmel
aufsteigt,
ich bin das sanfte Sternlicht in der Nacht.
Steht nicht weinend an meinem Grab,
ich bin nicht dort unten, ich schlafe nicht.

American Indian


Fragen vom Schmetterling

“Wie lang ist das Leben und was kommt danach?“ fragte der Schmetterling Gott. “Was war davor? Warum weiß ich nichts davon? - Viele, schwere Fragen an einem schönen Frühlingstag. Fragen an Gott und es gab keine Antworten. Oder? träumte der Schmetterling? Etwas oder jemand ließ ihn spüren, dass er nicht alleine war: “ Du kannst dein ganzes Leben noch einmal erleben. Fliege ganz hoch , so hoch wie du kannst, und du wirst Augen haben, die alles sehen; Ohren, die alles hören und eine Seele, die alles fühlt.“ - Und der Schmetterling flog und flog. Er strengte sich an, höher und höher. Er gab seine ganze Kraft hin.

Als er nicht mehr konnte, gab er auf und ließ sich fallen. Aber er fiel nicht, er wurde gehalten, unsichtbar getragen. Er schwebte. Er spürte Licht um sich herum, hörte unbekannte Töne und sah plötzlich ein Bild vor sich. Er platzte auf, wie eine Seifenblase. Er sah einen Schmetterling, der an einen Busch flog, seine Eier ablegte und verschwand. Die Sonne kam, der Regen fiel und aus einem Ei schlüpfte eine Raupe, ganz klein und fast unsichtbar. Der Schmetterling spürte plötzlich in seiner Seele: - Das bin ich. Ich bin dieser kleine Wurm. - Er staunte.

Die Raupe kletterte los, fraß von den Blättern, versteckte sich vor den Vögeln und Insekten. Sie lebte gut. Kein Tag war wie der andere. Manchmal hatte sie Angst, gefressen zu werden, und versteckte sich. Mal sonnte sie sich übermütig. Sorgen kannte sie nicht und wuchs prächtig. Sie wurde dicker, träger und langsamer. “Was soll aus der wohl werden“, fragte sich der Schmetterling, “und wie bin ich so schön geworden?“

Die Raupe suchte sich einen schönen verstecken Platz. Sie streckte sich an der Unterseite eines kleinen Zweiges und spann sich ein. Langsam aber war nicht mehr viel von ihr zu sehen. “Stirbt die Raupe?“ sorgte sich der Schmetterling. “Ja,“ hörte er Antwort, “sie stirbt und erwacht zu neuem Leben. Sie wechselt ihre äußere Hülle. Das Alte vergeht und das Neue wächst heran. Schau!“ Und er sah hinein in die Hülle, die Puppe. Die Raupe war nicht mehr da, er erschrak.

Feine Gliedmaßen entstanden, alles verwandelte sich. Ein Bild löste das andere ab. – Der Schmetterling staunte. – Beinah hätte er übersehen, wie die Puppe sich unten öffnete. Ein kleines Loch entstand. Eine neue Gestalt kletterte, nein schob sich langsam heraus und saß im Licht. Die Sonne wärmte sie und sie atmete tief ein. Das neue Leben hatte begonnen. Die Gestalt breitet die zarten Flügel aus und erhob sich in die Luft.

“Das bin doch ich.“ Dachte der Schmetterling. “Er sah noch einmal sein Leben bis zu dem Flug, der ihn höher und höher trug. “Ja, das bist du.“ Sagte Gott. “Du weißt nun, was vorher war und was nachher kommt. Sonst sieht jeder nur seinen Lebenszeitraum, seine Erfahrung. Er spürt nicht das neue Leben und auch nicht die Ankunft im Licht. Nur weil du dich fallen gelassen hast, weil du vertraut hasst, konntest du mehr sehen.“


Schmetterlinge

Bei den Griechen waren Schmetterlinge Erscheinungsbilder der Seele und zugleich Sinnbilder für deren Unsterblichkeit. Im vorchristlichen Griechenland verehrte man Nachtfalter als Seelen der Verstorbenen. Auf vielen christlichen Grabsteinen ist der Schmetterling Symbol des Sterbens und der Wiedergeburt.
Der Schmetterling als Unsterblichkeitssymbol soll auf die Seele verweisen, die sich mit dem Tod aus der sterblichen Hülle des Menschen befreit, gleich einem bunten Schmetterling, der seine – zumeist graue – Puppenhülle verlässt.
Diesen Gedankenvergleich greift Elisabeth Kübler-Ross auf:

Wenn wir den Körper ablegen,
werden wir frei sein
von Schmerzen, Angst und allem Kummer
frei sein, wie ein bunter, schöner Schmetterling
dürfen heimkehren zu Gott.
Der Tod ist ganz einfach
das Heraustreten aus dem physischen Körper,
und zwar in gleicher Weise,
wie ein Schmetterling
aus seinem Kokon heraustritt.


IHR WARET SCHMETTERLINGE
(FRIEDRICH RÜCKERT)

Ihr waret Schmetterlinge
mit lichtbeglänzter Schwinge.
Es hatte keine Luft
genascht an eurem Duft.

Und wo ihr das Gefieder
auch lassen mochtet nieder
da war, wie euer Gemüt,
rein eine Blum erblüht

Ihr braucht nicht umzuschweifen
um Erdstoff abzustreifen.
Euch trägt in gradem Zug
zum Himmel euer Flug

Wir andern werden müssen
erst Erdenschuld abbüßen,
eh wir hin dürfen nahn
wo ihr uns sollt empfahn

Um die Jahreswende 1833/1834 starben Friedrich Rückert seine beiden Kinder Luise und Ernst, drei und fünf Jahre alt, an Scharlach, und er hat bis zum Sommer unter Aufbietung aller erworbenen dichterischen Kraft versucht, seine Trauer und Untröstlichkeit über den Verlust schreibend zu bewältigen.


Beim Aufgang der Sonne
und bei ihrem Untergang,
erinnern wir uns an sie.

Beim Wehen des Windes
und in der Kälte des Winters,
erinnern wir uns an sie.

Beim rauschen der Blätter
und in der Schönheit des Herbstes,
erinnern wir uns an sie.

Zu Beginn des Jahres
und wenn das Jahr zu Ende geht,
erinnern wir uns an sie.

Wenn wir müde sind
und Kraft brauchen,
erinnern wir uns an sie.

Wenn wir verloren sind
und krank in unseren Herzen,
erinnern wir uns an sie.

Wenn wir Freud erleben,
die wir so gern teilen würden,
erinnern wir uns an sie.

So lange wir leben, werden auch sie erleben,
denn sie sind nun ein Teil von uns,
wenn wir uns an sie erinnern.


Sometimes
(Marsha Updike)

Manchmal
sind Erinnerungen wie ein Regenguss
kommen auf dich herab,
erwischen dich ganz unvermutet.

Manchmal
sind Erinnerungen wie Gewitter,
schlagen auf dich ein,
gnadenlos in ihrem Auftauchen,
und dann, wenn sie aufhören,
lassen sie dich ermüdet und geschafft zurück.

Manchmal
sind Erinnerungen wie Schatten,
schleichen sich heimlich von hinten an,
verfolgen dich rundherum,
dann verschwinden sie,
lassen dich traurig und verwirrt zurück.

Manchmal
sind Erinnerungen wie eine Daunendecke,
umgeben dich mit Wärme,
üppig, überreichlich
und manchmal bleiben sie,
hüllen dich in Zufriedenheit.


Meinem Sohn

Alles war so selbstverständlich
Ob „Morgengruß“, ob „Gute Nacht“,
15 lange, kurze Jahre,
die zusammen wir verbracht.

Mutter, Sohn, enge Vertraute,
gute Kumpel waren wir,
niemals hätte ich geglaubt,
dass ich dich so jung verlier.

Ich möcht’ so gerne mit dir reden,
so gerne deine Stimme hör`n ,
mit dir lachen, diskutieren,
doch deine Welt, die ist so fern,
möchte dich so gern umarmen ,
immer wenn ich an dich denk,
jeder Tag, den du gelebt hast,
war für mich wie ein Geschenk.

Was hätt` die Zukunft dir gebracht?
Warum darfst du es nicht erleben?
Wie Pfeile treffen die Gedanken-
ein Enkelkind wird es nie geben.

All` deine Wünsche, deine Träume
ruh`n mit dir in einem Grab.
Nur die Erinnerungen leben,
sind das, was ich für immer hab`,
begleiten mich auf allen Wegen
und eine Hoffnung bleibt bestehen-
dass wir uns in jener Welt
irgendwann mal wiederseh’n.
 


Steht auf
(Nena)

Kommt mal der Moment
Da ist der letzte Bus schon lange abgefahren
Kommt mal der Moment
Da sieht es aus, als hätte alles keinen Sinn
Irgendwann im Leben kommt ganz sicher der Moment
Wo es scheint, als ob vor mir und hinter mir der Boden brennt
Und dann kommt wieder der Moment
Da weiß ich, dass ich immer noch am Leben bin

Steht auf und tut euch zusammen wenn die Sonne nicht mehr scheint
Steht auf und lernt wieder lachen wir haben viel zu viel geweint
Steht auf und tanzt bis zum Morgen jede Nacht geht mal vorbei
Und dann erwacht das ganze Leben und das allermeiste wirkt wieder wie neu

Kommt mal der Moment
Da stehen sie alle um dich rum und stellen Fragen
Kommt mal der Moment
Da sieht es aus, als gibt es keinen Weg zur Flucht
Irgendwann im Leben kommt ganz sicher der Moment
Wo es nicht mehr geht das man durch Hintertüren rennt

Steht auf und tut euch zusammen wenn die Sonne nicht mehr scheint
Steht auf und lernt wieder lachen wir haben viel zu viel geweint
Steht auf und tanzt bis zum Morgen jede Nacht geht mal vorbei
Und dann erwacht das ganze Leben und das allermeiste wirkt wieder wie neu

Steht auf und tut euch zusammen wenn die Sonne nicht mehr scheint
Steht auf und lernt wieder lachen wir haben viel zu viel geweint
Steht auf und tanzt bis zum Morgen jede Nacht geht mal vorbei
Und dann erwacht das ganze Leben und das allermeiste wirkt wieder wie neu

Steht auf und tanzt bis zum Morgen jede Nacht geht mal vorbei
Und dann erwacht das ganze Leben und das allermeiste wirkt wieder wie neu


Wunder gescheh’n

Auch das Schicksal
Und die Angst kommt über Nacht
Ich bin traurig
Gerade hab ich noch gelacht
Und an so was Schönes gedacht

Auch die Sehnsucht
Und das Glück kommt über Nacht
Ich will leben
Auch wenn man dabei Fehler macht
Ich hab mir das nicht ausgedacht

Wunder gescheh´n
Ich habs geseh’n
Es gibt so vieles was wir nicht versteh´n
Wunder gescheh´n
Ich war dabei
Wir dürfen nicht nur an das glauben was wir seh´n

Immer weiter
Immer weiter g´radeaus
Nicht verzweifeln
Denn da holt dich niemand raus
Komm steh’ selber wieder auf

Wunder gescheh´n
Ich hab´s geseh´n
Es gibt so vieles was wir nicht versteh´n
Wunder gescheh´n
Ich war dabei
Wir dürfen nicht nur an das glauben was wir sehn
Was auch passiert
Ich bleibe hier
Ich geh’ den ganzen langen Weg mit dir
Was auch passiert
Wunder gescheh´n
Wunder gescheh´n


Wenn ich fort bin, dann gebt mich frei, lasst mich gehen, es gibt so viele Dinge für mich zuseh`n.
Bitte bindet Euch nicht an mich mit Tränen, seid dankbar für die schönen Zeiten, die wir zusammen verbringen durften.
Ich habe Euch meine Liebe gegeben, und Ihr wisst gar nicht, wie viel Glück Ihr mir beschert habt.
Ich danke Euch für die Liebe, die Ihr mir gegeben habt, aber es ist jetzt Zeit, alleine weiterzugehen.
Wenn Euch die Trauer hilft, so trauert nur ein Weilchen
und dann lasst die Trauer dem Glauben weichen.
Wir müssen uns nur eine Weile trennen, drum haltet fest an den Erinnerungen in Eurem Herzen.
Ich werde nie weit von Euch entfernt sein.
Also wenn Ihr mich braucht, ruft nach mir -  und ich werde da sein.
Auch wenn Ihr mich nicht berühren oder sehen könnt,
ich bin Euch nah – und wenn Ihr mit Eurem Herzen lauscht, dann werdet Ihr meine Liebe überall fühlen können, ganz nah und deutlich.
Und wenn es für Euch an der Zeit ist, diese Reise alleine anzutreten, werde ich Euch mit einem Lächeln erwarten
und Euch in Eurem neuen Zuhause begrüßen.


augenschein

       Weites Meer

    Denk Dir ein Bild. Weites Meer.

    Ein Segelschiff setzt seine weißen Segel und gleitet hinaus in die offene See.

    Du siehst, wie es kleiner und kleiner wird.

    Wo Wasser und Himmel sich treffen, verschwindet es.

    Da sagt jemand: nun ist es gegangen.

    Ein anderer sagt: es kommt.

    Der Tod ist ein Horizont,

    und ein Horizont ist nichts anderes als die Grenze unseres Sehens.

    Wenn wir um einen Menschen trauern, freuen sich andere, ihn hinter der Grenze wieder zu sehen.

                                                                                Peter Streiff


Flieg so langsam du kannst
Süßer Engel
Und lass mich niemals allein
An diesem Ort ohne Wärme
Der so kalt ist wie Stein
Und zeigt der Herbst seine Pracht
Lass mich bitte nicht Bangen
Wenn der Regen fällt
Küss meine Wangen

Flieg so langsam du kannst
Süßer Engel
Und dann hör ich das Lied
Dass die Schatten vergisst
Dass mein Leid besiegt
Hüll mich ein in warme Sonnenstrahlen
Und küss meine Tränen
Ja eins das ist gewiss
Mein Kind
Ich werd mich ewig nach dir Sehnen

Und sobald das Licht im Meer versinkt
Dann warte du auf mich
Und führe mich sicher Heimwärts
In die Welt voller Wärme
In die Welt voller Licht
Entfalte die Flügel
Die dir vom Himmel verliehen
Reich mir deine Hand
Damit wir gemeinsam entfliehen
Von diesem Ort voller Tränen
von diesem Ort voller Leid
Reise nie mehr allein
Wir reisen zu zweit
.


Phil Collins Lied für Connor, dem Sohn von Eric Clapton

Als Phil Collins vom tragischen Unfalltod des Sohnes seines Freundes Eric Clapton erfuhr, komponierte und textete er das folgende Lied.

Since I Lost you

Es scheint im Moment, als zerbräche deine ganze Welt
sie verschwindet einfach, wie ein morgendlicher Traum
so wie Staub aus deiner Hand auf den Boden fällt
wie soll das Leben je wieder sein wie vorher

Denn mein Herz ist zerbrochen
ja mein Herz ist zerbrochen
seit du fort bist

Es ist zu einfach, so vieles selbstverständlich zu finden,
aber es ist zu schwer, es in Worte zu fassen
wie eine Sandburg die die Flut wegspült
wie kann es je wieder sein wie bisher

Denn mein Herz ist zerbrochen
ja mein Herz ist zerbrochen
seit ich dich verlor

Oh du wirst es nie sehen
Oh du wirst es nie wissen
was ich alles für dich plante
Dinge für dich und mich

Ich hielt deine Hand so fest
dass ich sie nicht loslassen konnte
und jetzt
wie soll es je wieder so werden wie es war

Denn mein Herz ist zerbrochen
ja mein Herz ist zerbrochen
seit ich dich verlor


Das Lied befindet sich auf der CD „We can`t dance“ von Genesis.


Parabel von den Zwillingen

Es geschah, dass in einem Schoß Zwillingsbrüder empfangen wurden. Die Wochen vergingen, und die Knaben wuchsen heran. In dem Maß, in dem ihr Bewusstsein wurde, stieg ihre Freude: “Sag, ist es nicht großartig, dass wir empfangen wurden? Ist es nicht wunderbar, dass wir leben?“

Die Zwillinge begannen, ihre Welt zu entdecken. Als sie aber die Schnur fanden, die sie mit ihrer Mutter verband und die ihnen die Nahrung gab, da sangen sie vor Freude: “Wie groß ist die Liebe unserer Mutter, dass sie ihr eigenes Leben mit uns teilt!“

Als aber die Wochen vergingen und schließlich zu Monaten wurden, merkten sie plötzlich, wie sehr sie sich verändert hatten. „Was soll das heißen?“, fragte der eine. “Das heißt, antwortete ihm der andere, „dass unser Aufenthalt in dieser Welt bald seinem Ende zugeht.“ „Aber ich will gar nicht gehen“, erwiderte der eine, ich möchte für immer hier bleiben.“ -„Wir haben keine andere Wahl“, entgegnete der andere, „aber vielleicht gibt es ein Leben nach der Geburt!“ -„Wie könnte dies sein?, fragte zweifelnd der Erste, „wir werden unsere Lebensschnur verlieren, und wie sollten wir ohne sie leben können? Und außerdem haben andere vor uns diesen Schoß hier verlassen, und niemand von ihnen ist zurückgekommen und hat uns gesagt, dass es ein Leben nach der Geburt gibt. Nein, dies ist das Ende!“

So fiel der eine von ihnen in tiefen Kummer und sagte: „Wenn die Empfängnis mit der Geburt endet, welchen Sinn hat dann das Leben im Schoß? Es ist sinnlos. Womöglich gibt es gar keine Mutter hinter allem.“ –„Aber sie muss doch existieren, protestierte der andere, „wie sollten wir sonst hierher gekommen sein? Und wie können wir am Leben bleiben?“ –„Hast du je unsere Mutter gesehen?“, fragte der eine. „Womöglich lebt sie nur in unserer Vorstellung. Wir haben sie uns erdacht, weil wir dadurch unser Leben besser verstehen können.“

Und so waren die letzten Tage im Schoß der Mutter gefüllt mit vielen Fragen und großer Angst. Schließlich kam der Moment der Geburt. Als die Zwillinge ihre Welt verlassen hatten, öffneten sie ihre Augen. Sie schrien. – Aber, was sie sahen, übertraf ihre kühnsten Träume.

Eine Wandergeschichte, gefunden von K.-H. Essl
 


MICHAEL JACKSON

GONE TOO SOON (ZU FRÜH GEGANGEN)

WIE EIN KOMET;
DER ÜBER DEN ABENDHIMMEL FLAMMT
ZU FRÜH GEGANGEN

WIE EIN REGENBOGEN
DER IM BLITZEN EINES AUGES VERBLAßST
ZU FRÜH GEGANGEN

STRAHLEND UND SPRÜHEND
UND PRÄCHTIG HELL
HIER EIN TAG VERGANGEN IN EINER NACHT

WIE DER VERLUST DES SONNENLICHTS
AN EINEM WOLKIGEN NACHMITTAG
ZU FRÜH GEGANGEN

WIE EIN SCHLOß
GEBAUT AN EINEM SANDIGEM STRAND
ZU FRÜHGEGANGEN

WIE EINE VOLLKOMMENE BLUME
DIE JETZT AUS DEINER REICHWEITE IST
ZU FRÜH GEGANGEN

GEBOREN SICH ZU AMÜSIEREN,
SICH ZU BEGEISTERN, SICH ZU ERFREUEN
HIER EIN TAG VERGANGEN IN EINER NACHT

WIE EIN SONNENUNTERGANG
STERBEND MIT DEM AUFGEHEN DES MONDES
ZU FRÜH GEGANGEN ZU FRÜH GEGANGEN


Leben lernen

Von der Sonne lernen zu wärmen,
von den Wolken lernen leicht zu schweben,
von dem Wind lernen Anstöße zu geben,
von den Vögeln lernen Höhe zu gewinnen,
von den Bäumen lernen standhaft zu sein

Von den Blumen das Leuchten lernen,
von den Steinen das Bleiben lernen,
von den Büschen im Frühling Erneuerung lernen,
von den Blättern im Herbst das Fallenlassen lernen,
vom Sturm die Leidenschaft lernen.

Vom Regen lernen sich zu verströmen,
von der Erde lernen mütterlich zu sein,
vom Mond lernen sich zu verändern,
von den Sternen zu lernen einer von vielen zu sein,
von den Jahreszeiten lernen,
daß das Leben immer von neuem beginnt...

Ute Latendorf
 


Die alte Seele

Es war einmal eine sehr, sehr alte Seele, die sehr, sehr viele Menschenleben auf der Erde gelebt hatte und deren Dasein als Seele jetzt ebenfalls fast zu Ende war, ja, bald würde sie mit der EWIGKEIT verschmelzen und ein Teil davon werden.

Im Augenblick saß die alte Seele in der Leere zwischen ihrem letzten Menschenleben und ihrer künftigen Verschmelzung. Ihre besten Freunde waren auf und davon, die alte Seele konnte sie unten auf der Erde sehen, wie jede von ihnen einen Menschen mit Eifer, Neugier und Staunen und den verschiedensten Gedanken erfüllte.

„Ich will dorthin“, sagte die alte Seele. „Ich habe immer noch eine ordentliche Portion Freude übrig. Ich will dorthin und sie ihnen schenken.“

„Aber die Zeit, die dir vor der Verschmelzung bleibt, ist so kurz“, warnte der Wächter. “Natürlich kannst du ihnen Freude schenken, aber wenn du nur so kurze Zeit bei ihnen bleibst, schenkst du ihnen zugleich eine große Trauer, wenn du sie verlässt.“

„Ich weiß“, sagte die alte Seele. Aber ich will es trotzdem. Ich will ihnen so viel Freude schenken, dass sie ihnen danach über die Trauer hinweghilft.“ „Dann soll es so sein, wie du es willst“, sagte der Wächter und schickte die sehr, sehr alte Seele los.

Daraufhin bekamen ein Mann und eine Frau auf der Erde ein Kind, das sie sich schon lange gewünscht hatten. Es war ein allerliebstes Kind, das ihnen vom Tag seiner Geburt an Freude bereitete, jene ungetrübte Freude, die die Menschen empfinden, wenn ihre Seelen einander begegnen und sich voller Entzücken aus der Ewigkeit wiedererkennen.

„Aber bleibt dir nicht nur sehr wenig Zeit?“, flüsterte die Seele der Mutter der alten Seele in dem kleinen Mädchen zu.

„Die Zeit ist kurz, aber die Freude ist groß“, antwortete die sehr alte Seele.

Und obwohl die Mutter dieses Gespräch nicht hörte, weckte das Geflüster eine ahnungsvolle Unruhe in ihr, einen Hauch des Wissens, dass wir nichts auf Erden besitzen, einer den anderen nicht und nicht einmal uns selbst. Alles wird uns schließlich genommen werden, alles, was wir mit uns tragen, alle Lieben um uns herum, schließlich auch unser Leben und unser Körper.

Aber das Mädchen wuchs heran, und die Freude, die es verbreitete, war so groß, dass die Mutter diese Gedanken vergaß. Und der Vater freute sich ebenfalls. Ja, die sehr, sehr alte Seele durfte ihre letzte Zeit genauso verbringen, wie sie es sich gewünscht hatte.

Aber die Zeit war kurz, auch nach menschlichem Maß war sie kurz, und der Augenblick kam, da die Verschmelzung stattfinden würde. Die sehr, sehr alte Seele erhielt den Ruf, dass sie sich unverzüglich zur Zeremonie einfinden solle, und musste gehorchen.

Für die Menschen sah es so aus, als hätte ein plötzlicher Tod das Mädchen ereilt.

Ihre Trauer war maßlos, genau, wie der Wächter es vorhergesagt hatte. Aber da alle Erinnerungen an ihr Kind nur Freude und nichts als Freude waren, konnten sie ihre Trauer ertragen, genau, wie die sehr, sehr alte Seele es vorausgesagt hatte.
Und wo man früher die sehr, sehr alten Seelen ihr letztes Häppchen Zeit einfach in der leere hatte absitzen lassen, bürgerte sich von nun an in der EWIGKEIT die Sitte ein, dass die alten Seelen zu Menschen, die sie brauchten, geschickt wurden, um ihnen ihre letzte große Freude zu schenken. Die Freude gibt den Menschen die Kraft, die anschließende Trauer, die unausweichliche Trauer, zu ertragen und allmählich in etwas Gutes zu verwandeln.

Aus dem Roman „Du fehlst mir, du fehlst mir“ von Peter Pohl
 


Auf der anderen Seite des Weges

Der Tod ist nichts,
Ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen.
Ich bin ich, ihr seid ihr.
Das, was ich für Euch war, bin ich immer noch.

Gebt mir den Namen, den ihr mir immer gegeben habt.
Sprecht mit mir, wie ihr es immer getan habt.
Seid nicht feierlich oder traurig.
Lacht weiterhin über das, worüber wir gemeinsam gelacht haben.

Betet, lacht, denkt an mich. Betet für mich.
Damit mein Name im Hause ausgesprochen wird, so wie es immer war,
ohne irgendeine besondere Betonung, ohne die Spur eines Schattens.
Das Leben bedeutet das, was es immer war.

Der Faden ist nicht durchschnitten.
Warum soll ich nicht mehr in Euren Gedanken sein,
nur weil ich nicht mehr in Eurem Blickfeld bin?
Ich bin nicht weit weg, nur auf der anderen Seite des Weges.

Charles Peguy


NICHT AUFGEBEN

Wenn etwas schief geht, was ja manchmal passieren wird,
Wenn der Weg, den sie mühsam gehen, beschwerlich erscheinen wird,
Wenn die Einkünfte niedrig sind und die Schulden hoch,
Und Sie möchten lachen, müssten seufzen jedoch,
Wenn Kummer Sie ein wenig bedrückt,
Ruhen sie aus, wenn es sein muss, aber quittieren Sie nicht.

Das Leben ist seltsam mit seinen Wendungen und Krisen,
Wie jeder von uns manches Mal wird wissen,
Und viele Misserfolge bei ihm anhalten,
Die er hätte überwinden können, hätte er nur durchgehalten.
Gib nicht auf, auch wenn das Tempo langsam erscheinen mag-
Du könntest noch Erfolg haben mit dem nächsten Schlag.

Meistens ist das Ziel näher als man meint,
besonders als es einem verzagten und kämpfenden Manne erscheint.
Oftmals hat der Kämpfer gerade dann aufgeben,
Bevor man ihm den Siegerpreis wollte in die Hände geben
Und er erfuhr zu spät, als die Nacht bereits zu Ende war,
Wie nahe er doch der goldenen Krone war.

Erfolg ist Misserfolg, nur völlig umgekehrt er ist-
Und er auch das silberne Zelt der Ungewissheit ist,
Und Sie können nie wissen, wie nah Sie ihm sind,
Er kann greifbar nah sein,
auch wenn er Ihnen aus weiter Ferne erklingt-
So kämpfen Sie weiter auch wenn es Sie am schwersten trifft-
Denn gerade wenn alles am schlimmsten erscheint,
quittieren sollten Sie dann nicht !


Du zeigtest mir das Leben ...

Ich wollte dich ein Stück im Leben begleiten,
dir die schönen, aber auch die traurigen Seiten
dieser Erde zeigen.

Ich wollte mit dir die kleinen
und die großen Sorgen teilen
wollte mit dir lachen,
wollte mit dir weinen,
wollte viele Jahre mit dir gemeinsam
auf dieser Welt verweilen.

Das Schicksal aber wollte anders,
du solltest mir all diese Dinge zeigen.
Du sollstest mir zeigen,
was kleine und was große Sorgen,
du meine Kleine solltest mich
als Engelchen durchs Leben begleiten.

Du hast mir die Augen geöffnet,
du zeigtest mir was wirklich wichtig.
Du gibst mir die Kraft die ich brauche,
um auf dieser Welt zu existieren.
Du mein Engelchen zeigtest mir das Leben ...

( Für meine Lara von deiner Mami )
© by Denise Quarti

 

Seitenanfang

[Willkommen] [Über uns] [Die letzten Monate] [Der Unfall] [Presse] [Die Zeit danach] [Jahre später] [Erinnerung] [Hilfe&Rat] [Tips] [Geschwisterkinder] [Mit Trauer leben] [Gedichte und Texte] [Für Angehörige] [Literaturtips] [Links] [Weitere Links] [Kontakt] [Gästebuch] [Fotos] [Impressum] [Hoffnung]