Letzte Aktualisierung: 04.09.2017

Jahre später

Es scheint zu vergehen, man glaubt man hätte es überstanden.

Es hat aufgehört weh zu tun, man lacht und versprüht gute Laune -

die Sonne scheint und es sieht alles bunt aus,

man denkt kaum nach und meint  - das wäre die Lösung.

Doch Gedanken lassen sich nicht aufhalten, noch weniger Gefühle -

sie treffen dich unerwartet  -

wieder tut alles weh, die Welt ist schwarz, die Sonne ist untergegangen

und du bist wieder da, wo du nie wieder sein wolltest -

auf dem Abgrund deiner Seele - ohne Hoffnung oder auch nur ein bißchen Freude.

Die Sonne ist weg und du fragst dich ob sie je wieder scheinen wird -

es gibt keine Antwort -

und das alles nur wegen einem kurzem Moment der Unaufmerksamkeit.

Er löschte drei Leben aus und veränderte viele komplett

....für immer.

(Gedanken meines Patenkindes Sindy Artschwager)

Ich hatte bereits auf der Seite des Unfalles geschrieben, daß die Zeit nicht das Allheilmittel ist. Auch wenn inzwischen Jahre vergangen sind gibt es immer wieder Phasen, in denen man glaubt, daß der Schmerz wieder größer wird. Die Jahre vergehen und jeder Gedanke daran, wie alt Alexandra und Daniel inzwischen wären und was sie mittlerweile machen würden verschlimmert die Gedanken an die eigene Zukunft. Diese Höhepunkte im Leben, auf die wir uns schon gefreut hatten, wie Schulabschluß, Silberne Hochzeit, Berufsabschluß und natürlich eigene Enkel, werde ich nicht erleben können. Im Leben muß ein Umdenken beginnen. Die eigene Familie lebt nicht mehr - für wen soll es nun noch weitergehen?

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Und weitergehen tut das Leben, so als wäre nie etwas passiert, was man selber lange nicht versteht. Dann kommen noch bei vielen Menschen bittere Enttäuschungen über die Rechtsprechung, vor allem beim Unfalltod im Straßenverkehr, hinzu. In meinem Fall wollte die Verteidigung sogar ein "Unschuldig" für ihren Mandanten erreichen und ging in die Berufung, nachdem er lediglich zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Drei Menschen wurden durch seine Schuld getötet und er will einen Freispruch. Es war für mich, bis zu diesem Zeitpunkt unvorstellbar, daß ein Mensch, nach so einem Ereignis, nur an seine persönlichen Vorteile denkt, die ihm durch ein rechtskräftige Verurteilung verlorengingen. Deshalb legte er Berufung ein, die erst einen Tag vor der Verhandlung zurückgezogen wurde, da er inzwischen seine Ziele erreicht hatte.

Aber zurück zum Umdenken. Nachdem ich von einer Selbsthilfegruppe für Verwaiste Eltern hörte nahm ich an den Treffen teil. Durch die Gespräche mit anderen Betroffenen und durch eine Kur lernte ich nach und nach neue Ziele zu finden. Für mich wurde es immer wichtiger anderen Menschen zu helfen. Das ist einerseits durch die Arbeit in der SHG  möglich und andererseits auch durch meine jetzige berufliche Tätigkeit, in der ich psychisch behinderte Jugendliche auf eine Ausbildung vorbereite.

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Außerdem ist  inzwischen der Computer ein sehr starkes “Beschäftigungsinstrument“ für mich geworden. Eine gute Freundin und auch betroffene Mutter hat es auf ihrer Homepage (www.gabrielevillmow.de) sehr gut beschrieben, daß man nach einem solchen Ereignis ständig beschäftigt sein muß, um so nicht in Grübeleien zu verfallen. Das gilt auch heute (mittlerweile über 16 Jahre danach) noch für mich.

Fast 10 Jahre später

-werden endlich Maßnahmen ergriffen, um den Streckenverlauf zu entschärfen.

Mittlerweile gibt es auf dieser Strecke aber bei weitem nicht mehr diese Verkehrsdichte wie vor der Eröffnung der Autobahn A 71.

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