Letzte Aktualisierung: 04.09.2017

Mit Trauer leben

15 Punkte, die helfen können, mit der Trauer zu leben! Aber vergiss nie: So tief die Trauer auch sein mag, du bist nicht allein. Andere haben dasselbe auch erlebt und werden dir helfen, deine Last zu tragen, wenn du es erlaubst. Verweigere dich nicht! Lehne das Angebot nicht ab; es gehört immer Mut dazu, Hilfe anzunehmen: Aber es gibt Hilfe auch für dich!!!

1. Akzeptiere die Trauer!

Lasse dich von deinen Wellen tragen. Versuche nicht, „gefasst“ zu sein. Nimm dir die Zeit zu weinen. Dies gilt gerade für Männer: Auch starke Männer dürfen weinen!

2. Rede über deinen Verlust!

Teile deine Trauer innerhalb deiner Familie mit: Versuche nicht, andere durch Schweigen zu schützen. Suche dir einen Freund mit dem du sprechen kannst, jemanden, der zuhören kann und nicht gleich Urteile fällt; wenn möglich jemanden, der ähnliches erlebt hat. Und rede viel. Falls ein Freund dir sagt, „reiss dich zusammen!“, suche dir einen anderen Freund!

3. Beschäftige dich!

Erledige eine sinnvolle Arbeit, die deine Gedanken in Anspruch nimmt. Vermeide jedoch hektische Aktivitäten

4. Sei gut zu dir selber!

Trauern kann deiner Gesundheit schaden. In diesem Augenblick ist dir das vielleicht egal; dies wird sich aber ändern. Du bist wichtig – dein Leben ist wichtig - kümmere dich darum!

5. Ernähre dich richtig!

In dieser Zeit der emotionalen und physischen Erschöpfung braucht dein Körper mehr als je zuvor eine ordentliche Ernährung. Falls du nur wenig essen kannst, solltest du an Vitamine denken, auch wenn das kein Ersatz für eine komplette gesunde Ernährung ist.

6. Mache regelmäßige Körperübungen!

Kehre zu deinem alten Programm zurück oder beginne ein neues. Eine Depression kann durch Körperübung gemildert werden, die biochemische Veränderungen hervorrufen Du wirst besser schlafen. Eine Stunde Spazierengehen täglich ist das Ideale für viele Menschen.

7. Versuche, angemessen mit deinen Schuldgefühle umzugehen!

Du hast sicherlich das Beste getan, was du konntest. Auch wenn du Fehler gemacht hast, solltest du lernen, sie zu akzeptieren; wir alle machen Fehler. Nur im Nachhinein kann man alles besser machen. Falls du überzeugt bist, dass du wirklich Schuld hast, solltest du vielleicht den Rat eines Psychologen oder eines Seelsorgers einholen und deren Hilfe in Anspruch nehmen. Es ist wichtig, dass du dir selbst vergeben kannst oder Vergebung findest.

8. Akzeptiere dein Verständnis von Tod!

Du hast dich wahrscheinlich gefragt „Warum?“ und hast begonnen zu verstehen, dass du nie eine annehmbare Antwort darauf bekommen wirst. Aber vielleicht hast du einen Ansatz zur Beantwortung der Sinnfrage gefunden. Verwende diesen Ansatz, dieses Verständnis. „Lebe deine Fragen (mit allem anderen bist du überfordert), dann wirst du vielleicht eines Tages in die Antwort hineinwachsen“ (Rilke).

9. Schließe dich einer Gruppe von Trauernden an!

Der Kreis von alten Bekannten und Freunden wird sich ändern. Auch wenn dies nicht geschehen sollte, brauchst du neue Freunde, die eine ähnliche Erfahrung gemacht haben. Trauernde Menschen kommen in Selbsthilfegruppen zusammen, um Freundschaften zu pflegen und um sich gegenseitig mitzuteilen, Verständnis zu finden, sich zu unterstützen.

10. Behalte Kontakt zu den alten Freunden!

Dies kann schwierig sein. Manche werden in Verlegenheit geraten bei deiner Anwesenheit, aber das wird vorüber gehen. Und wenn es dir gelingt, sprich mit ihnen und gib dich ganz natürlich, ohne das Thema deines Verlustes auszuklammern.

11. Verschiebe wichtige Entscheidungen!

Warte, bevor du dich z.B. entschließt, dein Haus zu verkaufen oder deine Arbeitsstelle zu wechseln.

12. Führe ein Tagebuch, wenn du gerne schreibst!

Dadurch lernst du, deine Emotionen auszudrücken und kannst Veränderungen und deinen eigenen „Fortschritt“ beobachten.

13. Verwandle deine Trauer in kreative Energie!

Wenn du anderen hilfst, ihre Last zu tragen, wird deine eigene leichter. Falls du schreiben kannst, setze diese Möglichkeit ein. Große Literatur ist geschrieben worden nach tiefen Verlusterlebnissen und Leid

14. Nutze deine Kirchenzugehörigkeiten, wenn du eine hast!

Wenn du bisher inaktiv warst, könnte dies die Zeit sein, eine neue Aktivität zu entwickeln. Die Bibel sagt viel aus über Trauern. Auch alte Kirchenlieder und Psalmen sind tröstlich und können ihre „therapeutische“, heilsame Wirkung in der Trauerarbeit entfalten. Nach und nach wirst du entdecken, dass du zwar wütend auf Gott bist, sich aber deine Gefühle verändern.

15. Suche dir gegebenenfalls fachlichen Beistand!

Manchmal genügen schon einige Sitzungen mit einem erfahrenen Berater, einem Psychologen, Therapeuten oder Trauerbegleiter, um Hilfe zu erfahren, um wieder ein Stück weit zu „überleben“.

 

                               Auszüge aus einem Vortrag von Ursula Goldmann-Posch

                                               Wie managen Männer Trauer und Verlust
                                         -Kritische Punkte in der Partnerschaft-

Mann und Frau- das sind zwei Welten.

Zwei Welten, die sich biologisch ergänzen, zwei Prinzipien, die sich im Sinne des chinesischen Ying und Yang gegenseitig ermöglichen, mitgestalten, fordern und herausfordern. Welten, die mal auseinanderdriften, mal magnetisch voneinander angezogen werden, immer wieder auf der Suche nach der gemeinsamen Achse Mensch, „um“ - wie Rilke das einmal formuliert hat – „einfach, ernst und geduldig das schwere Geschlecht, das ihnen auferlegt ist, gemeinsam zu tragen.“

Wenn es schon im Normalfall so schwierig ist, diese Welt klar zu definieren, zu wissen, was ist männlich, was ist weiblich – wie sehr mag das erst recht in der Trauer um ein gemeinsames Kind gelten. Um wieviel facettenreicher und komplizierter gestalten sich in diesem Sonderfall der Seele die ohnehin kaum greifbaren, schillernden Únterschiede zwischen Mann und Frau.

Da sind vielgestaltige Einflüsse wie
 - die spezifischen und nicht zu leugnenden biologischen, hirnphysiologischen und neuroendokrinen Unterschiede,
   da ist
 - die Prägung durch gesellschaftliche und kulturell bedingte Rollenzuweisungen und Wertvorstellungen (zum Beispiel:        Frauen sind einfühlungs-, leidens- und anpassungsfähig –Männer sind durchsetzungs-, leistungs- und erfolgsorientiert),
   da sind sie
 - mit in die  Partnerschaft eingebrachten frühen  und lebensgeschichtlichen Erfahrungen und die daraus erwachsenen         Verhaltensmuster.
Und da ist schließlich
 - die andersartige Verinnerlichung elterlicher Ver- und Gebote im frühesten Kindesalter, was–nach der                                  psychoanalytischen Theorie – zu Ausbildung unterschiedlicher Kontroll- und Gewissensinstanzen in der Seele von             Mann und Frau führt und – damit verbunden – zu unterschiedlichen Ur-Ängsten und Verarbeitungsstrategien.

Ich schicke dies deshalb so sorgfältig voraus, damit Sie es richtig verstehen mögen, wenn ich plakativ auf die Statistik gestützt sage:

 1.Mütter trauern eher nach innen, Väter eher nach außen.
 2.Mütter machen eher Trauerarbeit, während Väter sich in Ersatzhandlungen flüchten, um sie zu vermeiden.
 3.Frauen haben die besseren Voraussetzungen für Trauerarbeit, weil sie die Dinge des Lebens besser vom Gefühl her          mitstrukturieren können als Männer.

Kurzum: Frauen sind die besseren Verliererinnen, weil sie die geborenen Verliererinnen sind.

Verluste, das Verlieren st ihnen sozusagen auf den Leib geschrieben: Das beginnt mit dem monatlich wiederkehrenden Blutverlust, setzt sich fort im vorzeitigen Verlust der Leibesfrucht, bis hin zur Geburt eines Kindes, die nicht nur ein kreativer Akt, sondern auch ein Stück Verlieren ist. So gesehen bringt schon die biologische Einübung in das Verlieren eine größere Vertrautheit mit Betrauern von Verlorenem mit sich.

Ich gehe da sehr einig mit der Frankfurter Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich, wenn sie im Vorwort zu meinem Buch schreibt:

„Durch ihre gesellschaftliche und individuelle Situation werden Frauen häufig mit Verlusten konfrontiert, scheinen sie in der Trauer fähiger zu sein als Männer, die die psychischen Abwehrmechanismen der Verleugnung und Verdrängung meist erfolgreicher einsetzen. Trauern und Abschiednehmen, Verzicht und Selbstbescheidung sind sogenannte weibliche „Werte“, die ganz auf der Ebene dessen liegen, das von einer Frau erwartet, ihr aber auch zugestanden wird. Trennungen beherrschen ihr leben weit mehr als das des Mannes: Da ist die Trennung von Kindern, die erwachsen werden, die Trennung von der Aktivität und dem Jugendlichkeitsideal unserer Kultur, das Abschiednehmen von Lebensaufgaben, die sich gewandelt und von Rollenmustern, die sich überholt haben.

Der Lernprozess des Abschiednehmens ist eine spezifisch weibliche Kunst, die Frauen beherrschen müssen, um nicht in anderen Bereichen ihres Lebens der Bitterkeit anheim zu fallen oder Kränkungen und Einsamkeit passiv über sich ergehen zu lassen. Diese Kunst des Abschiednehmens, die auch Überlebenskunst ist, fördert auch einen intensiven Umgang mit Trauerprozessen.

Frauen sind geborene Verliererinnen, sie kommen als Verliererinnen schon fast auf die Welt. Das gehört jedoch nicht nur zu ihrem Triebschicksal, wie Freud meinte, sondern auch zu ihrem Erziehungsschicksal.

Gerade im Umgang mit der Trauer um ein verlorenes Kind zeigt sich das unterschiedliche Trauerverhalten von Mann und Frau mit all seinen Konsequenzen: Die gesellschaftlichen Erwartungen machen ein gemeinsames Trauern um ihr Kind recht schwierig und führen oft zur gegenseitigen Entfremdung: Väter dürfen sich nicht in ihre Gefühle fallen lassen, was für Mütter oft eine zusätzliche Vereinsamung und Entfremdung bedeutet. Auf der anderen Seite halten Mütter, entsprechend ihrer vorgezeichneten Rolle, Väter aus ihrer Trauer für das tote Kind heraus, ohne es bewusst zu merken.

Während Frauen ihre Trauer oft mit Hilfe der Depression abzuwehren versuchen, flüchten Männer oft in manieähnliche Abwehrprozesse wie die Arbeitswut oder in ein gesteigertes Bedürfnis nach sexuellen Kontakten.“

Und hier sind schon ansatzweise die kritische Punkte angesprochen, die vielfach als unüberbrückbare Gegensätze zwischen trauernden Müttern und Vätern stehen, schmerzlich von beiden als solche erlebt werden und manchmal zur gegenseitigen Entfremdung, zur inneren Vereinsamungen führen.

Ich habe drei kritische Punkte in der Partnerschaft „verwaister Eltern“ herausgearbeitet  :

Punkt 1: Die Sprachlosigkeit der männlichen Gefühle

Punkt 2: Mit Arbeitswut gegen Schwermut

Punkt 3: Sexualität: Sehn-Sucht oder Verrat an der Trauer


  Punkt 1: Die Sprachlosigkeit der männlichen Gefühle

Vereinfachend könnte man sagen:
Die Trauer von Männern, von Vätern ist eher nazistisch, als aus der Selbst-Liebe heraus gespeißt und daher geprägt vom Schmerz eines unwiederbringlichen Abschiedes von dem, was man selbst ist, was man selbst war, und was man selbst sein möchte.

Die Trauer von Frauen, von Müttern ist eher Anlehnung, von der Nächstenliebe her bestimmt. Und daher bestimmt von der Angst des Verlassenwerden, von der Angst vor dem Verlust von Liebe und Sinngebung, von Geborgenheit und Anerkennung. Von der Angst vor dem Versagen.

Weil der größte Teil der Männer, besonders in den westlichen Industrieländern, über Generationen nicht gelernt hat, die mit Trauer verbundenen Gefühle zuzulassen, sie vielleicht auch zum Ausdruck zu bringen, sie sogar zu teilen – mussten sie im Laufe ihrer Entwicklung aufwendige Strategien der Trauer- und Angstabwehr ersinnen. Diese Notbehelfe können sich in „Antidialogischen“ Hobbys wie Briefmarkensammeln, Joggen, in übermäßigem Fernsehkonsum oder stundenlangen Sich-Schützen hinter einer Zeitung äußern.

Wenn Menschen, und in diesem Fall Männer, den sprachlichen Zugang zu ihrem eigenen Innern, zu ihrer eigenen Trauer verloren haben, wird die Sprachlosigkeit der Gefühle leicht zur Ich-Losigkeit. Die Leere, der drohende Ich-Verlust wird oft nach außen gerichtet. Es wird versucht an der Außenwelt etwas festzumachen, ausfindig zu machen, was in der Innenwelt nicht mehr wahrgenommen werden kann. Dieser hilflose Lösungsversuch, dem vor allem Männer erliegen, führt zum zweiten Knackpunkt in der Beziehung zwischen trauernden Müttern und Vätern.

  Punkt 2: Mit Arbeitswut gegen die Schwermut

Auch Arbeit und berufliche Erfolge bleiben etwas anderes .Daß hektische Betriebsamkeit im Beruf vielfach an die Stelle der Trauer um das tote Kind rückt, und so die Trauerarbeit von Vätern behindert, bestätigt eine Schweizer Untersuchung aus dem Jahre 1982, wonach über 50% der Eltern ihre Trauerarbeit auch nach 6 bis 9 Jahren nicht beendet haben, allen voran die Risikogruppe Nummer eins, die Väter, die in die Arbeit geflüchtet sind und in der Bewältigung ihrer Trauer weit hinter der ihrer Ehepartnerinnen zurückliegen.

Wenn trauernde Väter in die Arbeit flüchten, so ist das allerdings keine Einbahnstraße, eine Rolle also, in die Männer- wider Willen- von der Gesellschaft hineingedrängt werden. Es ist vielmehr ein gegenseitiges Erfüllen von Erwartungen und Haltungen. Anders gesagt: Die gesellschaftlich angebotene Rolle des „starken Mannes“, des „Krisenmanagers“ von ausufernden Emotionen wird bereitwillig wahrgenommen, auch wenn viele Männer sich in dieser Rolle übernehmen.

Doch haben es Grenzsituationen, Ausnahmezustände wie die Trauer an sich, Bestehendes infrage zu stellen, künstlich errichtete Gleichgewichte in Brüche gehen zu lassen, Ersatzhandlung zu demaskieren und nicht mehr tragfähige Handlungs- und Beziehungsmuster als solche zu entlarven.

Dazu zählt das mit einem Mal in seiner ganzen Absurdität wahrgenommene männliche Doppelspiel von hektischer Betriebsamkeit im Beruf und allabendlichem Rückzug in den Schoß der Familie.

Dazu gehört der schmerzlich erlebte Zusammenbruch des Kartenhauses von Karriere und Erfolg, der Konkurs männlicher Allmachtsgefühle, die –bis zum Tag des Todes eines Kindes – maßgeblich die Berufsstrukturen, das Berufsethos und den Berufsalltag von Vätern geprägt hatten.

All das macht plötzlich keinen Sinn mehr für trauernde Väter oder ist in der Form wie bisher gehandhabt einfach nicht mehr einlösbar. Arbeit, Karriere, Leistung, die vielfach ein Stück Identität des Mannes ausgemacht hatten, werden einerseits infragegestellt, andererseits aber auch betrauert; es gibt nicht wenige Väter, die – zusätzlich zum eigentlichen Verlust – ihre Effizienz, ihre Ausstrahlung und ihre Selbstsicherheit im Beruf zu Grabe tragen.

Es ist sehr merkwürdig, aber die Erfahrung vieler Menschen, die sich mit trauernden Eltern beschäftigen: Die Identitätskrise trauernder Väter im Beruf scheint der entscheidende Impuls für die meisten Männer zu sein, in das Gefühlskarussell der Trauer einzusteigen.

Zu großen Spannungen zwischen Ehepartnern in Trauer um ein Kind führt auch unser letzter Punkt, ein Thema, das nicht gerne angesprochen wird.

  Punkt 3: Sexualität: Sehn-Sucht oder Verrat an der Trauer

Die Sehnsucht nach Sexualität ist – bis auf wenige Ausnahmen – eher bei trauernden Männern vorhanden als bei trauernden Frauen. Frauen können diesen Wunsch oft nicht oder nur schwer nachvollziehen. Trauernde Mütter haben ganz tief in ihrem Inneren die Phantasie, als ob es nicht erlaubt wäre zu genießen, wenn man trauert oder verliert, die leibliche, lustvolle Begegnung mit einem Mann wird fast schon als Verrat am verstorbenen Kind empfunden, als Untreue dem Tod gegenüber, der sich auch ihrer bemächtigt hat.

Die Sehnsucht von Männern nach Sexualität in und trotz der Trauer schließt nicht aus, dass der eine oder andere nicht auch an Potenzstörungen zu leiden hätte, aber Männer leiden eben darunter, während Frauen – über den Wunsch nach zärtlichen Hautkontakten hinaus – nichts vermissen und nichts begehren.

Es bedarf sehr viel Sorgfalt und Feinheit auf beiden Seiten und vielleicht auch einer Portion Glück, um die Sexualität durch die Trauer hindurch am Leben zu erhalten. Wo dies gelingt, weist dies darauf hin, dass sich beide Partner im Austausch noch etwas Gutes tun können, etwas, wo sie vom Erleben her noch aufeinander bezogen bleiben und nicht in die innere Vereinsamung abdriften. So gesehen ist eine harmonische Sexualität in der Trauer wie ein Anker, an dem das Schiff der Seele festgemacht ist und festgehalten wird, auch wenn die Affekte der Trauer es noch so hin- und herschütteln.

Es gibt noch eine Reihe weiterer Geschlechtsunterschiede im Trauerverhalten, die Zündstoff in die Partnerschaft bringen können:

So neigen trauernde Väter mehr als Mütter dazu, Ursachenforschung bezüglich des Todes ihres Kindes zu betreiben und auf Jagd nach Sündenböcken zu gehen. Die Bemühung von Gerichten und Anwälten, Gutachtern und Gegengutachtern stellt so etwas wie eine Abfuhr von Angst und Aggression dar.

Im selben Atemzug mit den im Vergleich zu Frauen häufiger anzutreffenden Selbstanklagen trauernder Väter (mangelnde Beteiligung an der Kindererziehung, Mangel an Geduld und Engagement, Bereuung von körperlicher Züchtigung) kommt es genauso oft zu Schuldzuweisungen, auch an die eigene Ehefrau, ein Phänomen, das bei Vätern ebenfalls häufiger anzutreffen ist als bei Müttern.

Ob Schuldzuweisung an andere oder Selbstanklage, ob Jagd nach dem Sündenbock oder Sucht nach Betriebsamkeit – all das sind nur Symptome, Notbehelfe, die das verwundete Selbst vor Verarmung und Entwertung, vor dem Ausverkauf retten sollen.

Männer bedürfen dieser Strategien sehr viel mehr als Frauen, da sie wie bereits erläutert – menschliche Bindungen in hohem Maße aus der Selbst-Liebe nähren und weniger aus der Nächstenliebe.

So ist es nur verständlich, wenn überdurchschnittlich oft trauernde Väter von tiefen Depressionen ergriffen werden, weil sie durch den Tod ihres Kindes sehr viel mehr ihres Selbst -werts beraubt werden als Mütter.

Man könnte sagen: Frauen werden all ihrer Lebensäußerungen beraubt, Männer hingegen ihres Selbstwerts.

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